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essen & trinken 2/85
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| Feuerzauber gegen Böse Geister |
Doch dadurch wird ihm kein Harm geschehen. Dafur garantiert Benvenuto
Puricelli, der 1976 die Restauration der
,,Locanda dell'Isola Comacina" ubernahm - und gleichzeitig das Rezept,
das gegen die bischofliche Verwünschung wirksam ist. Auch änderte er
nichts an dem Einheits-Menü, das seit
1964, seit Eröffnung der Gaststätte,
ununterbrochen serviert wird. Natürlich hatte Benvenuto Puricelli sich ausgeklugelte Kuchen-Kreationen einfallen lassen können. Schließlich hat er
nach der Lehrzeit vier Jahre lang im
feinen Palace-Hotel zu St-Moritz gearbeitet, und er gehörte auch zu den auserwahlten Kochkünstlem, die der
Schah von Persien 1972 einfliegen ließ,
um anläßlich der 2500-Jahr-Feier von
Persepolis seine hochwohlgeborenen
Gaste aus aller Welt verwöhnen zu lassen. Anschließend wirkte Benvenuto
Puricelli als Küchenchef im Penthouse-Club in London, einer jener Oasen, die
dem schlechten Ruf der englischen Küche nicht gerecht werden.
Es ist nicht so, daß Benvenuto Puricelli
das Wissen jener Wanderjahre vergessen hätte, aber statt einer internationalen Speisenkarte hat
er lieber Internationale Gaste. So ist es Brauch auf der
Insel, und deren Tradition will er unverfälscht erhalten. Das gebietet ihm
die Liebe zur Heimat.
Benvenuto Puricelli wurde in Sala Comacina geboren und wuchs auch dort
auf - immer die Insel vor Augen und
ihre Geschichten im Ohr. Er mußte
einfach zugreifen, als Lino Nessi, ge-
nannt ,,Cotoletta", für die ,,Locanda"
einen Nachfolger suchte. Und das Versprechen, alles beim alten zu lassen,
fiel ihm nicht schwer.
So gibt es wie eh und je zuerst ,,antipasto all'isolana". Dazu gehören roher
und gekochter Schinken und acht verschiedene Gemüse, je nach Jahreszeit.
Da beweist sich schon, von welch hoher Qualitat ein einfaches Essen sein
kann. Wer weiß, vielleicht labten sich
sogar die Römer, die nach den Griechen über die Insel kamen, schon an
den gleichen Sorten. Auf jeden Fall
waren sie kräftig genug, mehrere Tempel zu erbauen.
Die wurden viel später von den ersten
Christen zu Kirchen umfunktioniert -
gerade rechtzeitig, um all die Glaubigen aufzunehmen, die vor den Barbaren flüchten mußten. Die namlich verbreiteten
auf ihren Raubzügen durch
die Sonnenlander Angst und Schrekken auch an den Ufem des Comer
Sees. Christen, die weder Kopf noch
Glauben verlieren wollten, retteten
sich auf die Insel, die zum Lebens- und
Widerstandszentrum wurde und vorübergehend den Namen Christopolis
erhielt. So unterschiedlich die Gesinnung der frühen Christen und der heidnischen Eindringlinge auch gewesen
sein mag - es darf als gesichert gelten,
da alle gleichermaßen Gefallen an
den Fischen des frischen Sees fanden.
Und die Forelle ,,alla contrabbandie-
ra" kann auch der Gast von heute noch
guten Gewissens genießen - als zwei-
ten Gang.
In der dritten und Haupt-Runde gibt es
gerostetes Hähnchen mit Salat: ,,Rot-
tami di pollo in padella". Nicht mal ein
Heiliger konnte dem köstlichen Duft
und der knusprigen Haut widerstehen.
Und Heilige gab es genug auf dieser In-
sel: Abonde und Agrippa und Domenica. Auch die arme Adelaide, entehrt
und von allen verachtet, fand freundliche Aufnahme. Wie man auch heute
noch ohne Ansehen von Rang und Namen jeden bewirtet. Weil man auf dieser Insel weiß, wie sich das Rad der Geschichte dreht. Wer heute Kaiser ist,
kann morgen schon Bettelmann sein.
Dazu hat man hier zu viele entthronte
Könige und enterbte Prinzen gesehen,
als daß man einen ganz normalen Touristen nicht zu schätzen wußte. Dem
wird der große Käse genauso zugerollt
wie Fürsten und Filmstars. Jeder kriegt
sein Stück vom Riesenrad des ,,grana
all'escavadora".
Auch noch ein Stück Geschichte gefällig? Nun denn. Nachdem Comacina im
Laufe eines zehnjährigen Krieges gegen Como mit Hilfe Mailander Verbundeter die Oberhand gewonnenhatte, weissagte ein anonymer Dichter:
,,Insel, du wirst in den jahrhunderten
verdammt sein." Und der beleidigte
Bischof von Como fluchte noch einen
Bannspruch hinzu, dessen genauer
Wortlaut bis heute geheimgehalten
wird. Kein Wunder, daß das Eiland einem wechselvollen Schicksal entgegensah. Jahrhunderte kam es nicht zur
Ruhe, wurde heiß umkämpft und ging
von Hand zu Hand.
Wie es doch noch zu einem glücklichen
Ende kam, erfährt man beim ,,arancia
alla castellana", dem Eis mit Blutoran-
gen: Dei Italiener Auguste Caprani,
den die Verluste des kleinen Belgien
im Ersten Weltkrieg dauerten, ver- '
machte die Isola dem belgischen Konig
Albert I. Dessen Erben wiederum
wollten die Insel an Italien zurückgeben. Heute wehen die belgische und
die italienische Flagge über Comacina,
weil ein glücklicher Kompromiß gefunden wurde - beide Länder beteiligen
sich an einer Stiftung, die belgischen
und italienischen Künstlern zugute
kommt. Drei Häuser stehen fur ausgedehnte Studienaufenthalte zur Verfügung.
Da konnte es naturlich nicht ausbleiben, daß ein geladener Gast sich
auch mal grundlich dem Geheimnis auf
die Spur setzte. Es war die Schriftstellerin Francis Dale, wie alle Engländer
geübt im Umgang mit Gespenstern,
die das geeignete Mittel entdeckte, den
Bann des Bischofs zu brechen. Verraten hat sie es ,,Cotoletta" Nessi, der es
an Benvenuto Puricelli weitergab. Der
zelebriert nun den ,,Feuerritus" zum
Abschluß eines jeden Mahles. Dazu
setzt er sich eine geringelte Wollmütze
auf, egal ob Sommer oder Winter, ob
auf der Terrasse mit dem herrlichen
Rundblick oder im Gasthof vor dem
flackernden Kamin, und während er
Zauberformem vor sich hinmurmelt,
bereitet er aus hochprozentigem Likör
und tiefschwarzem Kaffee jenen
Trank, der dafür sorgt, daß man von allen bosen Geistern verlassen wird.
Aber es bleiben ohnehin nur gute Erinnerungen an einen so gastlichen Ort,
wo man fur das üppige Menu, einschließlich Soave- und Valpolicella-
Wein, pro Kopf nur 30000 Lire (h.z.t. 58 Euro)
verlangt. |
Knuspriges Hänchen mit grünem Salat Und als Nachtisch: Eis mit Orangen ![]() ![]() ![]() |
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Locanda dell'Isola Comacina - Ossuccio - Lago di Como - tel. ++39
0344 55083-56755 fax ++39 0344 57022 - e-mail email: locanda@comacina.it br>George Clooney |